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Biomarker bei Brustkrebs

Biomarker sollen die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie erleichtern. Doch der Nutzen ist fragwürdig, einer genauen Analyse hält dieses Versprechen nicht Stand
von Dr. Reinhard Door, 05.10.2017

Welche Aussagekraft haben Biomarker? Die Meinungen gehen auseinander

dpa Picture-Alliance GmbH/Jeff Mangione

Ein bösartiger Knoten in der Brust – für viele Frauen ein Befund, vor dem sie sich am meisten fürchten. Wird tatsächlich ein Tumor diagnostiziert und ist der erste Schock überwunden, stellt sich rasch die Frage: Kann ich die Krankheit überleben? Im Frühsta­dium ist das inzwischen nicht mehr unrealistisch, bei der Mehrheit der Patientinnen lässt sich der Krebs gut behandeln.

Nach der OP weitere Therapien? Manchmal schwer zu entscheiden

Wie diese Therapie aussieht, ist in den meisten Fällen klar: erst OP, dann Medikamente in Form von Antikörpern und/oder eine Chemotherapie sowie eventuell Bestrahlung. Doch für rund 20.000 der jährlich 70.000 neu erkrankten Frauen kann man die Frage, wie es nach der OP weitergehen soll, nur schwer beantworten.

Ihr Tumor weist bestimmte Charakteristika auf und ist auf die Brust begrenzt, höchstens drei Lymphknoten sind befallen. Diese Patientinnen haben sehr gute Aussichten, die meisten gelten bereits durch die OP als geheilt. Dennoch erkranken manche erneut – und könnten dem mit Medikamenten vorbeugen. Also doch eine Chemotherapie?

Biomarker sollen das Risiko eines Rückfalls angeben

Die Hersteller sogenannter Biomarker-Tests wollen Patientinnen mit solchen Tumoren bei ihrer Entscheidung helfen. Zeigt der Test ein hohes Rückfallrisiko an, sollten die Betroffenen eine Chemotherapie in Anspruch nehmen. Deutet das Ergebnis auf ein geringes Risiko hin, können sie sich die Chemo ersparen. So lautet zumindest das Werbeversprechen.

Auch viele Ärzte empfehlen die Tests, die von Krankenkassen aber nur auf Einzelantrag oder im Rahmen von Verträgen mit bestimmten Kliniken bezahlt werden. Häufig müssen die Patientinnen für die Kosten selbst aufkommen. Manche Frau nimmt das bei so einer schwerwiegenden Entscheidung in Kauf. Eine gute Investition?

Schlechter Ratschlag kostet 3000 Euro

Eher nicht, sagt nun eine ausführliche Analyse, die das von der Bundesregierung eingesetzte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt hat. Die Autoren durchforsteten die gesamte wissenschaftliche Literatur zu Biomarker-­Tests. Doch lediglich eine Studie hielt der Qualitätsprüfung stand. Alle anderen fielen durch, meist weil Daten zu vieler Patientinnen fehlten.

Damit konnte das IQWiG überhaupt nur einen ­einzigen Test bewerten. Das enttäuschende Ergebnis: Er ist zu ungenau, um bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie zuverlässig zu helfen. "Hier wird ein Versprechen abgegeben, das sich in Studien nicht bewahrheitet", sagt Dr. Stefan Lange, stellvertretender Leiter des IQWiG.

Dr. Stefan Lange

W&B/Henning Ross

MammaPrint heißt der analysierte Test, er kostet etwa 3000 Euro. Wie rund zehn Konkurrenzprodukte, zum Beispiel das in Deutschland häufiger eingesetzte Oncotype DX, zeigt er die Aktivität von Genen an. ­Daraus lässt sich schließen, ob der Krebs wächst und eventuell streut. Jeder Biomarker-Hersteller untersucht dabei andere Gene – nur so kann er sich ein Patent für sein Produkt sichern. Doch kein Test konnte bisher eine hinreichende Genauigkeit belegen.

Zu viele Rückfälle

In der betreffenden Studie, die das IQWiG für seine Bewertung heranzog, verglichen Forscher MammaPrint mit einem verbreiteten Programm, das die Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie anhand der Tumor­­eigenschaften und anderer Faktoren abgibt. Bei einem Teil der Patien­tinnen sprach das herkömmliche Programm für eine Chemotherapie, MammaPrint dagegen.

Welcher Test lag in diesen Fällen richtig? Um das herauszufinden, verabreichten die Wissenschaftler der einen Hälfte solcher Patientinnen eine Chemotherapie, der anderen Hälfte nicht. Ergebnis nach fünf Jahren: Unter den Therapierten war es bei 4,1 Prozent zu Metastasen gekommen, in der Vergleichsgruppe ohne Chemo bei 5,6 Prozent. Der Unterschied hört sich klein an. Doch Stefan Lange rechnet vor: Von 1000 Patientinnen, die wegen des Biomarker-Ergebnisses auf eine Chemotherapie verzichten, erkranken bis zu 61 erneut an Krebs, bis zu 26 sterben daran.

Studien über lange Zeiträume nötig

Auch eine Chemotherapie kann schwere Spätfolgen haben. Es erscheint also durchaus sinnvoll, diese Behandlungsoption nicht unnötig oft einzusetzen. Eine endgültige Bewertung der Biomarker sei allerdings ­frühestens möglich, wenn die Erst­erkrankung und der Test zehn Jahre zurückliegen, erklärt Lange.

Gegen die IQWiG-Einschätzung ­­hagelte es dennoch heftige Kritik von Verbänden der Frauenärzte und der Pathologen. Doch auch Professor Matthias Beckmann, Leitlinien-Beauftragter der Fachgesellschaft der Frauenärzte, findet die IQWiG-Bewertung korrekt: "Nach derzeitiger Datenlage erfüllen die Biomarker nicht die Erwartungen." Er sei sich sicher, dass die Tests irgendwann einmal für eine kleine Gruppe von Brustkrebs-Patientinnen nützlich sein könnten, aber noch seien sie nicht ausgereift.

Individualisierte Zukunftsmusik

Ohnehin setzt der Erlanger Gynäkologe langfristig auf eine andere Strategie. Dabei will man nicht nur wenige Gene, sondern das gesamte Erbgut von gesunden und krebskranken Zellen analysieren – samt individueller Empfehlung für ein Medikament. Dann, so Beckmann, werden pro­gnostische Tests wie die derzeit verwendeten sowieso überflüssig.



Bildnachweis: W&B/Henning Ross, dpa Picture-Alliance GmbH/Jeff Mangione

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